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Interview: Den richtigen Dreh finden…

by Administrator on Mai 29th, 2013

Frauke Thielecke, Regisseurin von TV-Reihen und -Serien wie „Stubbe“ und „Küstenwache“, nutzt Erkenntnisse aus dem Reiss Profile – zum Beispiel bei der Ausgestaltung von Filmcharakteren und bei der Führung am Set. Im Interview spricht die erfolgreiche Regisseurin, die u. a. mit dem Kurzfilmpreis des Max Ophüls Filmfestivals ausgezeichnet wurde, darüber, wie sie zum Reiss Profile gekommen ist und warum die 16 Lebensmotive seither zu einer wichtigen Arbeitsquelle geworden sind.

Das Interview wurde durch Ilona Bernhardt, Reiss Profile Germany GmbH, geführt.

Frau Thielecke, wie kamen Sie dazu, ein persönliches Reiss Profile erstellen zu lassen?

Thielecke: Ich wurde durch einen Artikel darauf aufmerksam und wollte das gerne einmal ausprobieren. Beim Surfen auf der Homepage der Reiss Profile Germany fiel mir dann Norbert Hübner aus dem Hamburger Coaching Contor auf. Mein spontaner Eindruck war, dass er von seiner Expertise als Coach für mich passen könnte – im Gespräch war schnell Vertrauen da. Grundsätzlich bin ich immer an neuen Impulsen interessiert, die vielleicht auch mal abseits der üblichen Wege – gerade auch beim Film – liegen. Und ich bin jemand, der sich und sein Tun immer wieder in Frage stellt.

Wie helfen Ihnen die Aussagen des Profils konkret bei der Drehbucharbeit?

Thielecke: Ich investiere prinzipiell viel Zeit in die Figurenanalyse. Die Möglichkeit, mit 16 verhaltensrelevanten Lebensmotiven zu arbeiten, verschafft mir dabei einen besonderen Zugang zur Rollengestaltung. So dekliniere ich quasi alle Lebensmotive durch, damit die Figur lebendig wird und ihre Handlungen nachvollziehbar werden. Zum Beispiel: Wie stelle ich eine erwachsene Vater-Tochter-Beziehung dar? Aus dem Verständnis des Lebensmotivs Familie heraus kann ich mir einen Menschen vorstellen, der jetzt, wo die Tochter älter ist, eine intensive Beziehung zu ihr leben will. Oder aber ich habe einen Vater vor Augen, der die Tochter immer noch als kleines Mädchen sieht, dem er seine Fürsorge geben will. Ich spiele also mit der ganzen Bandbreite der Motivationen. Das Wissen darüber, was Menschen antreibt, hilft mir, meine Figuren besser auszudifferenzieren. Auf diese Art und Weise erarbeite ich mir die gesamte Persönlichkeit bis hin zu Ausstattung, Kostüm und Lebensumfeld.

Die Arbeit am Filmset kann sehr emotional sein. Führen Sie anders, seitdem Sie Ihr eigenes Persönlichkeitsprofil kennen?

Thielecke: Unbedingt. Im Gespräch mit den Schauspielern ist die Kommunikation direkter, ich gebe konkretere Beispiele, wie die Figur tickt, die zu verkörpern ist. Doch auch für mich persönlich habe ich Vieles herausgefunden. Ich sehe mich klarer als zuvor. So verstehe ich zum Beispiel, woher manche Reaktionen kommen und ich habe die Möglichkeit, frühzeitig gegenzusteuern, wenn etwas gegen meine Bedürfnisse geht. Zugleich weiß ich besser, wie ich emotional für mich selbst sorge. Mein Anerkennungsmotiv ist relativ hoch. Der Beruf des Regisseurs bringt es jedoch mit sich, dass man nicht immer nur Bestätigung erhält. In solchen Fällen hole ich mir meine Anerkennung gezielt woanders, um mein Bedürfnis in Balance zu halten. Ich bin aber auch toleranter geworden. War früher ein Requisit nicht da, wurde ich schnell ungeduldig. Heute weiß ich: 80 Prozent der Menschen denken anders als ich, sind weniger perfektionistisch, dafür haben sie aber andere Qualitäten, von denen ich profitieren kann.

Bekommen Sie diese Wirkung auch durch Ihr Umfeld gespiegelt?

Thielecke: In der Filmbranche wechseln die Teams ständig, so dass Beobachtungen über längere Zeit schwierig sind. Mein Eindruck ist, dass ich mehr in mir ruhe und die Dreharbeit sehr gut läuft, weil ich in Kommunikation und Führung unterschiedliche emotionale Bedürfnisse berücksichtige. Vor allem Menschen, mit denen ich häufiger zusammenarbeite, nehmen solche Veränderungen wahr. Ich kann nur sagen: Es lohnt sich, sich selbst zu kennen, um auch andere zu kennen.

Vielen Dank!

From → Allgemein

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